Broken-Heart-Syndrom: Wenn das Herz schmerzt

Was haben ein öffentlicher Auftritt, ein plötzlicher Todesfall in der Familie und eine Narkoseeinleitung gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Bei näherer Betrachtung sind alle drei Erlebnisse mit großem Stress verbunden – ob negativ oder positiv. Sie stellen damit nicht nur eine große emotionale Belastung für den Menschen dar, sondern der Stress wirkt sich auch auf den Körper – und damit auf das Herz – aus. Eine mögliche Folge: das Broken-Heart-Syndrom, oder auch Tako-Tsubo-Syndrom genannt. Doch was passiert beim „gebrochenen Herzen Syndrom“? Wie erkennt man es? Und ist tatsächlich Liebeskummer der Auslöser?

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Beim Broken-Heart-Syndrom (fachsprachlich: Stress-Kardiomyopathie) denken viele Menschen sofort an ein gebrochenes Herz, verursacht durch Liebeskummer. Aber Vorsicht! Denn genau das wird oftmals fälschlicherweise berichtet. Hinter dem Begriff steckt einiges mehr: Zwar tritt das Syndrom in der Regel nach einem stressigen Erlebnis auf – wie der Trennung beispielsweise vom Lebenspartner – jedoch gibt es auch viele weitere Stresssituationen, die es hervorrufen können, wie der Tod eines Angehörigen oder ein Raubüberfall. Genauso können aber auch positiv-stressige Erlebnisse der Auslöser sein: beispielsweise ein Lottogewinn oder sogar der Verzehr sehr scharfer Speisen. Kurz: Das Syndrom geht also nicht direkt mit einem gebrochenen Herzen einher, sondern vielmehr mit extremem Stress. Wenn der positive oder negative Stress das Herz überfordert, kann der Herzmuskel wie gelähmt sein. Er pumpt kaum noch und bläht sich an der Spitze wie ein Ballon auf. Diese spezielle Form des Herzmuskels erinnerte japanische Ärzte an eine tönerne Tintenfischfalle (Tako Tsubo), deshalb wird die Krankheit auch als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie bezeichnet.

Tako-Tsubo-Syndrom: Was passiert und wer bekommt es?

Die Symptome des Broken Heart Syndroms kann man schnell mit denen eines Herzinfarkts verwechseln: Charakteristisch sind ein Stechen in der Brust, Atemnot und Herzrasen. Wichtig ist: Sobald diese Symptome auftreten, muss ein Arzt kontaktiert werden – unabhängig davon, um welche Erkrankung es sich handelt. Es besteht akute Lebensgefahr! Betroffen vom Broken-Heart-Syndrom sind mit etwa 90 Prozent fast ausschließlich Frauen nach den Wechseljahren – also circa 60 Jahren und älter. Jedoch ergaben neueste Forschungen, dass auch jüngere Menschen am Broken-Heart-Syndrom erkranken können: Jeder zehnte Betroffene ist demnach unter 50 Jahre alt. Die Stress-Kardiomyopathie verläuft in diesen Fällen besonders schwer – die Gründe werden noch erforscht.

Broken-Heart-Syndrom liegt möglicherweise in den Genen

Bisher konnten noch keine hundertprozentigen genetischen Ursachen für das Broken-Heart-Syndrom bestätigt werden, um Risikopatienten schon im Voraus zu erkennen. Doch das ist besonders wichtig, denn die Sterberate liegt ein Jahr nach dem Erleiden eines Broken-Heart-Syndroms bei zehn und vier Jahre danach bereits bei 25 Prozent. Deshalb arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck daran, die Krankheit noch besser zu verstehen. Und tatsächlich fanden sie bereits Hinweise, die auf einen Einfluss der Gene bei der Entstehung des Tako-Tsubo-Syndroms hindeuten. So konnten sie nachweisen, dass Broken-Heart-Patienten oftmals Auffälligkeiten an den Genen aufwiesen, die für den Blutdruck und die Schilddrüsenfunktion wichtig sind. Zudem fand man einen Zusammenhang zwischen dem Tako-Tsubo-Syndrom und Krebs. Laut einer Studie war jeder sechste Teilnehmer mit Broken-Heart Syndrom auch an Krebs erkrankt. Für Tako-Tsubo-Patienten bedeutet das: regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen sollten auf jeden Fall wahrgenommen werden.

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