Digitales Zeitalter – mehr elektromagnetische Felder:
Was bringt Herzschrittmacher und Defibrillatoren aus dem Takt?

Die Digitalisierung nimmt in allen Lebens- und Arbeitsbereichen rasant zu – so schnell, dass man fast gar nicht mehr hinterher kommt. Es gibt immer mehr elektronische Alltagsgeräte wie Smartphones, Elektroautos und Co, die einem das Leben erleichtern sollen.

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Diese Geräte erzeugen aber auch immer mehr elektromagnetische Felder. Unbedenklich? Gute Frage – vor allem, wenn es um lebensrettende Geräte wie Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren (ICD) geht. Können diese kleinen, manchmal schon etwas älteren Lebensretter gestört werden? Und wenn ja, wie gefährlich können diese Einflüsse werden?

Sie umgeben uns ständig, doch man sieht und spürt sie nicht: elektromagnetische Felder. Verursacht werden sie von allen erdenklichen elektronischen Alltagsgeräten – vom Induktionsherd über Mobiltelefone bis hin zum Dienstahldetektor am Ladeneingang. Doch haben die unsichtbaren Frequenzen einen Einfluss auf die kleinen Helfer am Herzen?

Zunächst mal gilt Entwarnung: In der Regel haben moderne Aggregate von Schrittmachern und Defibrillatoren keine Probleme mit elektromagnetischen Feldern – sofern sie nach Herstellerempfehlung programmiert sind. Trotzdem sollten Menschen mit solchen lebenswichtigen Implantaten gewisse Dinge beachten, wenn es um den (regelmäßigen) Kontakt mit elektronischen Geräten geht.

Die gängigsten elektronischen Geräte auf einen Blick: Was man als Träger eines Devices beachten sollte

Smartphones und moderne Mobiltelefone mit Internetfunktion stellen ein nur sehr geringes Interferenzrisiko dar. Zu induktiven Ladestationen hingegen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger einen Mindestabstand von 10 cm einhalten.

Die in Kopfhörern oder Lautsprechern verarbeiteten Dauermagnete können Störungen an Herzschrittmachern und ICDs erzeugen. Daher gilt: niemals direkt auf der Stelle platzieren, an der das Gerät implantiert ist.

MP3-Player können ohne Bedenken genutzt werden. Während der Nachsorgeuntersuchung sollten sie jedoch abgeschaltet sein, weil sie sonst die Telemetrie zwischen Programmiergerät und Implantat stören können.

Die Diebstahlsicherungen bei Ein- und Ausgangsbereichen in Geschäften sollten Device-Träger zügig passieren. Die größte Interferenzgefahr geht dabei von akustomagnetischen Diebstahlsicherungen (meist an Kleidungsstücken angeheftet) aus. Zu RFID-Scannern (oftmals Kartenlesegeräte oder „elektronische Schlüssel“) sollten Herzschrittmacherträger 60 cm und Defibrillator-Träger 40 cm Abstand einhalten.

Sowohl von Torbogenmetalldetektoren als auch handbetriebene Detektoren geht kein Risiko für Implantat-Träger aus. Sie werden in der Regel an Flughäfen eingesetzt.

Bei E-Autos konnten bisher keine Wechselwirkungen mit den Devices festgestellt werden.
Auch für die Reise mit dem Flugzeug oder der Bahn gelten keine ärztlichen Einschränkungen aufgrund von Herzrhythmusimplantaten.

Von korrekt installierten Stromleitungen geht keine Gefahr für Implantat-Träger aus. Wichtig: Haushaltgeräte sollten immer richtig geerdet sein und defekte Geräte nicht weiterverwendet werden.

Implantat-Träger sollten einen Sicherheitsabstand von mindestens 25 cm zwischen Implantat und Induktionsherd einhalten.

Bisher gibt es noch keine finale Risikoeinschätzung. Solche Waagen sollten von Device-Trägern sicherheitshalber nicht verwendet werden.

Störung der Herzrhythmusimplantate – was kann passieren?

Es gibt nicht nur immer mehr elektromagnetische Felder durch die fortlaufende Technisierung, sondern auch die Anzahl der eingesetzten Herzrhythmusimplantate steigt: Mehr als 77.000 Herzschrittmacher und über 25.000 Defibrillatoren werden in Deutschland jedes Jahr implantiert – immer häufiger auch bei jüngeren Patienten. Je nach Studie und Implantat konnten jedoch gerade einmal 0,3 bis 0,7 Störungen pro 100 Patientenjahre nachgewiesen werden. Eine beruhigende Statistik also. Aber was, wenn es doch zu einer Störung kommt? Was kann bei der sogenannten Interferenz zwischen magnetischem Feld und einem Device passieren? Es kann zum Beispiel zu einem Moduswechsel (Änderung der Impulsrate) eines Herzschrittmachers kommen, was vergleichsweise eher harmlos ist und schnell behoben werden kann. In den sehr wenigen, schwerwiegenderen Fällen können aber auch schmerzhafte Schockabgaben bei implantierten Defibrillatoren (ICD) die Folge sein. Sollten entsprechende Auffälligkeiten auftreten gilt: Nicht zögern und sofort den Arzt oder ein Krankenhaus kontaktieren.

Im Voraus sichergehen – das richtige Herzrhythmusimplantat auswählen

Muss ein implantiertes Device eingesetzt werden, sollte bereits im Voraus geklärt werden, ob die Person täglich starken Störquellen ausgesetzt ist. So kann ein Arzt bei der Geräteauswahl eine individuell angepasste Entscheidung treffen. Und auch für die richtige Einstellung des Gerätes ist es wichtig, die Bedingungen im privaten und beruflichen Umfeld genau einzubeziehen. So können Komplikationen am Arbeitsplatz bestmöglich vermieden werden.

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