Ich habe die Situation nicht ernst genug genommen

Heike M. (60)

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Ich hätte mich nie in der Gruppe der Herzerkrankten gesehen. Ich bin sportlich und schlank und hatte vor dem 21. April nie Probleme mit dem Herzen. Zugegeben habe ich bis vor drei Jahren geraucht, was auf jeden Fall ein Risikofaktor ist, aber ich war immer fit und leistungsfähig und auch in meiner Familie gibt es keine bekannten Herzerkrankungen. Von einem Tag auf den anderen hat sich mein Leben aber geändert. Ich habe eines Abends einen leichten Druck in der Brust verspürt, dem aber nicht viel Bedeutung beigemessen, sondern einen netten Abend bei einer Freundin verbracht. Am nächsten Morgen bin ich von stechenden Rückenschmerzen aufgewacht und hab sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt und habe sogar Blutdruck gemessen. Da dieser vollkommen normal war, habe ich ein Herzgeschehen ausgeschlossen und einen eingeklemmten Nerv vermutet. Ich hätte gar nicht daran gedacht wegen einer Lappalie wie Rückenschmerzen ins Krankenhaus zu gehen, erst recht nicht während der Pandemie. Im Vordergrund stand nicht, dass ich mich hätte anstecken können, ich war zu dem Zeitpunkt schon zweimal geimpft, sondern ich wollte den Ärztinnen und Ärzten dort nicht unnötig zur Last fallen. Da meine Rückenschmerzen aber sehr stark waren, habe ich mir Hilfe bei meinen Nachbarn gesucht, die beide Ärzte sind, und dann auch den Rettungsdienst verständigt haben, der mich in die Notaufnahme der Kardiologie der Uniklinik Köln bringt.

Ich hatte schlicht die Verhältnismäßigkeit falsch eingeschätzt und die Situation nicht ernst genug genommen.

 

Ich hätte mich nie in der Gruppe der Herzerkrankten gesehen.

Heike M.

Ein Fehler, den ich heute nicht noch einmal machen würde, da bin ich mir sicher. Dadurch, dass ich erst so spät behandelt wurde, wird die Narbe an meinem Herzmuskel bleiben und damit auch eine leichte Herzinsuffizienz. Mein Herz kann jetzt wegen des geschädigten Gewebes nun nicht mehr ganz so viel Blut durch den Kreislauf pumpen wie zuvor.

Ich spüre aber die Einschränkung im Moment nicht und kann auch ganz normal Sport machen. Die Medikamente verhindern außerdem, dass sich die Pumpleistung meines Herzens weiter verschlechtert. Mein Leben hat sich aber auf jeden Fall verändert. Ich habe jetzt nun einmal eine chronische Erkrankung, das lässt sich nicht mehr ändern. Ich gehe daher alles ein bisschen langsamer und bewusster an als früher. Aber vieles werde ich auch nicht verändern. Ich bin immer gerne gereist, bin lebenslustig und habe viel unternommen. Das wird auch so bleiben.

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