Herz-Kreislauf-Probleme auch während des Lockdowns nicht unterschätzen!

Zahlreiche Studien belegen, dass im März und April dieses Jahres deutlich weniger Herzpatienten in den Krankenhäusern in Deutschland behandelt wurden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dies hat sich auch auf die Sterblichkeit bei Herzerkrankungen ausgewirkt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) appelliert eindringlich, diesen Fehler aus der ersten Phase der Pandemie nicht zu wiederholen und Symptome von akuten und chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht zu ignorieren, sondern sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben.

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Im Frühjahr 2020 sind die Zahlen von in deutschen Krankenhäusern behandelten Herzpatienten stark gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Eine Analyse des Universitätsklinikums des Saarlandes zeigt beispielsweise für das Akute Koronarsyndrom, zu dem auch der Herzinfarkt zählt, einen Rückgang von 41 % in den Kalenderwochen 10 bis 16. Aus anderen europäischen Ländern sind ähnliche Entwicklungen bekannt. Auch die Zeit zwischen dem ersten Auftreten der Symptome und der Krankenhausaufnahme beim akuten Koronarsyndrom hat sich verlängert, wie eine Meta-Analyse von 27 internationalen Studien zeigte. Erste Daten aus Hessen deuten auf eine Übersterblichkeit bei kardiovaskulären Erkrankungen hin.

Die Notfallversorgung von Herzpatienten ist sichergestellt

Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie gehen von einer Vielzahl von Gründen für diese besorgniserregende Entwicklung aus. Beigetragen hätten beispielsweise die Verschiebung von geplanten kardiologischen Prozeduren, die Angst der Patienten vor einer Ansteckung mit dem neuen Corona-Virus im Krankenhaus und der Umstand, dass Symptome wie Atemnot, Husten und Brustschmerzen sowohl von Patienten als auch von Ärzten häufig einer COVID-19-Erkrankung und keiner kardialen Ursache zugeordnet wurden.

Experten der DGK warnen davor, dass sich die Situation aus dem Frühjahr wiederholen könnte. DGK-Präsident Prof. Dr. Andreas Zeiher bittet daher: „Nehmen Sie die Symptome von akuten Herzerkrankungen und auch von Verschlechterungen einer bestehenden Herzerkrankung ernst und begeben sich wenn nötig zeitnah in ärztliche Behandlung oder rufen den Rettungsdienst.“ Die Notfallversorgung sei flächendeckend sichergestellt, betont der Herzmediziner.

Herzerkrankungen sind in Deutschland noch immer die häufigste Todesursache. Allein im Jahr 2018 starben mehr als 212.000 Menschen an den häufigsten Herzerkrankungen. „Der wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung von Herzerkrankungen, ob akut oder chronisch, ist der rechtzeitige Besuch beim Arzt“, mahnt auch Prof. Dr. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK. „Nur so können schwerwiegende Folgen verhindert werden.“

DGK unterstützt Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie

Die DGK unterstützt die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausdrücklich, um die Fallzahlen zu senken und die Krankenhäuser zu entlasten. Die aktuelle Situation dürfe aber keinesfalls dazu führen, dass Herzpatienten keine adäquate Notfall-Behandlung mehr erhalten.

Viele Symptome bei COVID-19 und schweren Herzerkrankungen ähnlich

Die beiden DGK-Experten appellieren daher auch an ihre Kollegen in den Kliniken und Praxen: „Denken Sie bei Symptomen wie Luftnot nicht nur an eine Infektion mit SARS-CoV-2, sondern auch an mögliche kardiale Ursachen.“ Zudem sollten dringliche und geplante Eingriffe bei Herzpatienten nicht verschoben werden, da dies fatale Folgen für die Patienten haben könne, wie für die hochgradige Aortenklappenstenose nachgewiesen.

Nicht aus den Augen verlieren dürfe man auch, dass Herzpatienten von der grassierenden Pandemie in besonderem Maße betroffen sein können. „Epidemien pulmonaler Infektionen führen bekanntermaßen zu einer kurzzeitigen Verdoppelung kardiovaskulärer Ereignisraten bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz. Darüber hinaus haben Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Falle einer COVID-19-Infektion eine 5-fach erhöhte Mortalität, sind bedroht von Myokard-Nekrosen und lebensbedrohlichen Arrhythmien“, so Zeiher.

 

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