Definition

Was ist ein Herzinfarkt?

Der akute Herzinfarkt, auch Myokardinfarkt genannt, ist ein lebensbedrohliches Ereignis. Er entsteht meistens durch eine mangelnde Durchblutung des Herzmuskels (Myokard). Diese Mangeldurchblutung wird in der überwiegenden Anzahl der Fälle durch die Verkalkung der Herzkranzgefäße verursacht, auch Arteriosklerose genannt. Durch diese Verkalkungen entstehen Verletzungen in den Herzkranzgefäßen, wodurch sich an diesen Stellen sogenannte Plaques bilden. Das sind Ablagerungen aus Bindegewebe, Kalk und Fett. Gefährlich wird es, wenn diese Plaques aufbrechen und eine Wunde in der Gefäßwand entsteht. Diese versucht der Körper dann durch das Anlagern von Blutplättchen zu reparieren. Lagern sich zu viele Blutplättchen an der defekten Stelle in der Arterie an, kann diese teilweise oder vollständig verstopft werden: Es kommt zum Herzinfarkt. Wegen der Blockade in der Arterie erhält das Herz nicht genügend sauerstoffhaltiges Blut und das Herzmuskelgewebe dahinter stirbt ab. Je länger die Durchblutungsstörung anhält, desto mehr Muskelgewebe stirbt im Herzen ab. Deshalb muss so schnell wie möglich behandelt werden – ganz nach dem Motto: „Time is Muscle“.

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Was tun bei einem Herzinfarkt?

Erleidet eine Person einen Herzinfarkt, schwebt sie in Lebensgefahr. Erste Anzeichen dafür sind starke Schmerzen und ein Engegefühl in der Brust. Deshalb sollte man unbedingt schnell und richtig handeln:

Schritt 1

Lassen Sie den Betroffenen oder auch eine Begleitperson auf keinen Fall selbst zum Krankenhaus fahren!

Rufen Sie einen Rettungswagen unter der 112! Dabei spielt die Uhrzeit oder der Wochentag keine Rolle. Der Notarzt kann bereits vor Ort lebenswichtige Hilfe leisten.

Schritt 2

Die betroffenen Person darf sich nicht flach hinlegen! Lagern Sie den Oberkörper der betroffenen Person hoch und öffnen Sie zum besseren Atmen enge Kleidung!

Schritt 3

Beruhigen Sie betroffene Person – Stress und Aufregung muss vermieden werden.

Bleiben Sie bei der betroffenen Person und lassen Sie sie nicht alleine. So kann man im Falle eines Herzstillstandes sofort handeln:

 

  • Defibrillation, sofern ein Defibrillator vor Ort ist
  • Herzdruckmassage
  • Mund-zu-Mund/Nase-Beatmung
Ursachen

Wie entsteht ein Herzinfarkt?

Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen das menschliche Herz mit Blut und Sauerstoff. Verstopfen sie, kommt es zu einem Herzinfarkt. Das ist die Hauptursache für den Myokardinfarkt, den prinzipiell jeder Mensch erleiden kann. Gewisse Faktoren können das Risiko jedoch erheblich erhöhen. Unter anderem:

  • Familiäre Veranlagung
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stress

Ungeklärter Brustschmerz?
Zertifizierte Ansprechpartner finden Sie hier:

Ein ungeklärter Brustschmerz sollte in jedem Fall ernstgenommen und die Ursachen ermittelt werden. Eine sogenannte Chest Pain Unit (CPU) behandelt Menschen mit unklarem Brustschmerz. Um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, hat die DGK – Herz – und Kreislaufforschung Kriterien und Standards für diese CPUs eingeführt. Die „Chest Pain Unit – DGK zertifiziert“ ist eine eingetragene Marke und fast dreihundert medizinische Einrichtungen sind zertifiziert. Wer also unter unklaren Brustschmerzen leidet, sollte den Rettungsdienst darum bitten, in eine zertifizierte CPU gebracht zu werden.

Eine aktuelle Liste mit allen zertifizierten CPUs in Deutschland findet Sie hier:

Symptome

Woran erkenne ich einen Herzinfarkt?

Erste Anzeichen sind starke Schmerzen in der Brust mit einer Dauer von mindestens fünf Minuten.

Sie können als stark brennend empfunden werden. Meist treten sie im Brustkorb auf, häufig ausschließlich mittig hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können aber auch in anderen Körperregionen auftreten, wie in den Armen, im Oberbauch, zwischen den Schulterblättern, im Rücken, im Hals und im Kiefer

Darüber hinaus können folgende Symptome auf einen Myokardinfarkt hinweisen:

  • Extremes Engegefühl in der Brust, Arm, Kiefer oder Oberbauch
  • Druck/Einschnürungsgefühl im Herzbereich: „Elefant auf der Brust“
  • Angstschweiß 
  • kalte, fahle Haut
  • Schneller Puls
  • Herzklopfen oder – stolpern 
  • Kurzatmigkeit oder Atemnot
  • Sog. „Vernichtungsgefühl“ (Todesangst)

Sollten die genannten Symptome auftreten, muss sofort ein Notarzt kontaktiert werden. Es besteht Lebensgefahr!

Ein Herzinfarkt kann mit weiteren, auf den ersten Blick eher untypischen Symptomen einhergehen. Besonders bei Frauen treten oftmals diese weiteren möglichen Symptome auf: 

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Atemnot
  • Müdigkeit und Schwäche

 

Übrigens: Männer erleiden häufiger und in jüngerem Alter einen Herzinfarkt als Frauen. Allerdings sterben Frauen häufiger daran. Das liegt vor allem daran, dass bei ihnen öfter die untypischen Symptome auftreten, diese jedoch nicht direkt als Anzeichen für einen Herzinfarkt gehalten werden. Deshalb gilt auch beim Auftreten untypischer Symptome: schnell reagieren und einen Arzt kontaktieren, sollten keine offensichtlichen Auslöser erkennbar sein.

Therapie

Wie behandelt man einen Herzinfarkt?

Schnelles (Be-)Handeln ist bei einem Herzinfarkt das allerwichtigste. Deshalb sollten Betroffene oder Ersthelfer sofort den Notarzt alarmieren und die oben genannten Schritte beachten. 

Das medizinische Ziel bei einem Herzinfarkt ist die schnellstmögliche Einleitung der Wiederherstellung des Blutflusses (Reperfusionstherapie). Dabei werden sowohl Medikamente als auch interventionelle Verfahren – also minimalinvasive, Methoden – eingesetzt.

Oftmals deuten erste Symptome bereits auf einen Herzinfarkt hin. Für eine Behandlung muss ein Arzt jedoch zuerst eine eindeutige Diagnose stellen, indem er bestimmte Untersuchungen durchführt.

Zu den wichtigsten Untersuchungen zählt das Elektrokardiogramm (EKG), mit dem die Aktivität des Herzmuskels bestimmt wird. Auch kann der Arzt mit Hilfe des EKG erkennen, ob eine Koronararterie teilweise oder vollständig verschlossen ist. Zeigt die ST-Strecke des EKG spezifische Veränderungen, liegt ein Herzinfarkt vor. In diesem Fall sprechen Kardiologen von STEMI (ST-elevated myocardial infarction oder Streckenhebungsinfarkt). Bei einem NSTEMI (Non- ST-elevated myocardial infarction oder Nicht-Streckenhebungsinfarkt) fehlt dieser direkte Hinweis im EKG, hier führen erhöhte kardiale Biomarker (die Tropominwerte) zur richtigen Diagnose, die man nach einer Blutabnahme ermitteln kann. Steigen oder fallen die Tropominwerte (cTn-Werte), ist dies ein eindeutiger Beweis für eine akute Herzmuskelschädigung. Zusätzlich misst der Arzt den Blutdruck und den Puls des Betroffenen, um einen Myokardinfarkt näher diagnostizieren zu können.

Eine weitere Untersuchung ist die Blutabnahme und das Ermitteln der sogenannten Biomarker – die Tropominwerte. Steigen oder fallen die Tropominwerte (cTn-Werte), ist dies ein eindeutiger Beweis für eine akute Herzmuskelschädigung hin.  Mit neuen, hochempfindlichen Untersuchungen muss das (fast) verschlossene Gefäß lokalisiert werden. Dazu führt der Arzt eine Herzkatheteruntersuchung durch. Ist die Stelle gefunden, kommen interventionelle Verfahren zum Erweitern des verengten Gefäßes zum Einsatz. Dazu zählt das Einsetzen von Stents sowie Scaffolds – sogenannte Gefäßprothesen für das Weiten der Arterien. In manchen Fällen muss eine Bypass-Operation durchgeführt werden. Sie ist praktisch eine „Umleitung“ um die geschädigten Herzkranzgefäße.

Langfristig gibt es weitere Therapie-Möglichkeiten, die Betroffene in jedem Fall berücksichtigen sollten:

  • Änderung der Lebensweise: Nikotinverzicht, Blutdruckkontrolle, Diätberatung, Gewichtskontrolle, Förderung körperlicher Aktivität 
  • Teilnahme an einem Herzrehabilitationsprogramm 
  • Medikamentöse Therapie mit Blutverdünnern wie ASS
  • Behandlung mit lipidsenkenden Medikamenten zum Schutz vor fortschreitender
Prävention

Wie kann ich einem Herzinfarkt vorbeugen?

Einen Herzinfarkt können sowohl ältere als auch jüngere Menschen erleiden. Deshalb ist es in jedem Alter sinnvoll, bewusst präventive Maßnahmen zu ergreifen. Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko eines Herzinfarkts bedeutend minimieren. Dazu gehören:

  • gesunde und ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige sportliche Aktivität 
  • gute Work-Life Balance 
  • geringer Alkoholkonsum
  • Nikotinverzicht

Auch nach einem Herzinfarkt sollte besonders auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden. Gegebenenfalls müssen alte Gewohnheiten komplett umgestellt werden, um einem wiederholten Myokardinfarkt vorzubeugen. Vor allem ist es wichtig, die vom Arzt verordneten Medikamente, die einem weiteren Herzinfarkt vorbeugen sollen, gewissenhaft und konsequent einzunehmen.

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