Zu Beginn der Pandemie war ich schon etwas besorgt

Kai vom Stein (33)

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Als mein Hausarzt im Sommer 2016 bei einer Routineuntersuchung ein eigenartiges Geräusch beim Abhören entdeckte, schickte er mich zur Sicherheit zum Kardiologen. Dort wurde dann am 20. Juni 2016 ein Aortenaneurysma mit hochgradiger Aortenklappeninsuffizienz festgestellt. Schon drei Tage später erhielt ich einen mechanischen Aortenklappenersatz und einen Ersatz der Aorta ascendens und der Aortenwurzel. Auch, wenn die Herzerkrankung mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat und ich meine Prioritäten nun anders setze, kann ich sehr gut mit ihr leben. Eventuelle körperlichen Einschränkungen, zum Beispiel kein Kontaktsport, betreffen mich persönlich nicht besonders. Ich lebe relativ normal und mache zwei bis drei Mal die Woche Konditionstraining. Auch die Medikation mit Marcumar nach selbstständiger INR-Wert-Messung funktioniert wunderbar.

Zu Beginn der Pandemie war ich schon etwas besorgt, dass ich ein höheres Risiko für eine COVID-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf haben könnte, aber die Sorge wurde mir nach Rücksprache mit meinem Kardiologen schnell genommen. Außer, dass ich eine künstliche Herzklappe habe, ist mein Herz fit und daher wäre eine Virusinfektion für mich nicht gefährlicher als für gesunde Menschen. Viren greifen die künstliche Herzklappe auch nicht an und belagern sie, wie es zum Beispiel mit Bakterien passieren könnte.

Dass ich weiterhin ein Mal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung zum Kardiologen gehe, stand für mich nie in Frage. Dafür ist mir der Termin zu wichtig, um ihn einfach schleifen zu lassen.

Kai vom Stein

Dennoch bin ich während der Pandemie sehr vorsichtig und nehme sie ernst. Ich gehe wenig bis gar keine Risiken ein, mich zu infizieren. Nur weil ich nicht als Risikopatient gelte, heißt das ja nicht, dass mich oder mein Umfeld dies vor der Krankheit COVID-19 schützt. Dennoch treffe ich mich regelmäßig im kleinen Rahmen mit Freunden oder der Familie. Dass ich weiterhin ein Mal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung zum Kardiologen gehe, stand für mich nie in Frage. Dafür ist mir der Termin zu wichtig, um ihn einfach schleifen zu lassen. Dank der Hygienevorschriften mache ich mir auch keine Gedanken, dass ich mich beim Arzt anstecken könnte.

Das Einzige, was mich etwas stört, ist dass ich persönlich etwas mit der Impfung hinterherhänge. Ja, ich bin kein Risikopatient – dennoch bin ich der Meinung, Menschen, die eine schwere Operation am Herzen oder an der Lunge hatten, sollten diesbezüglich priorisiert behandelt werden. Und wenn dein gesamtes Umfeld inklusive junger Menschen ohne Vorerkrankungen vor dir selbst komplett durchgeimpft ist, fühlt man sich einfach etwas übergangen. Ich habe glücklicherweise im Mai meine Erstimpfung bekommen, erhalte aber erst im August meine Zweitimpfung.

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