Myokarditis nach Impfung: Aktuelle Studienergebnisse klären auf

Vereinzelte Fälle von Myokarditis, also einer Herzmuskelentzündung nach Impfungen gegen COVID-19 haben viele Menschen in den vergangenen Monaten verunsichert. Eine aktuelle Studie bestätigt allerdings: Das Myokarditis-Risiko für Erwachsene ist nach einer Ansteckung mit dem Corona-Virus deutlich höher als nach einer Impfung gegen COVID-19 – wobei die Ausprägung vom Alter und dem verwendeten Impfstoff abhängt. Eine Impfung ist somit unbedingt ratsam, um sich vor einer Corona-Infektion zu schützen, die, neben vielen weiteren Gesundheitsrisiken, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit birgt, an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken.

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Eine Frau wird gegen COVID-19 geimpft.

Was ist eine Myokarditis?

Die Myokarditis, häufig bekannt als Herzmuskelentzündung, ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Dabei befallen häufig Erreger, vorrangig Viren, das Muskelgewebe (Myokard) des Herzens. Sie dringen in die Zellen ein, was zur Zerstörung des Herzmuskelgewebes führen kann. Dabei kann sowohl eine Region als auch der ganze Herzmuskel betroffen sein. Der Verlauf einer Myokarditis ist sehr individuell: Art, Ausmaß, Dauer und der Grad der Entzündung sowie Gewebeschädigung können von Fall zu Fall unterschiedlich sein, sodass die Genesungsdauer oft schwer vorauszusagen ist. Grundsätzlich werden bei der Herzmuskelentzündung zwischen drei Verlaufsformen unterschieden:

Wie äußert sich eine Myokarditis?

Leider gibt es kein einzelnes, spezifisches und zuverlässiges Leitsymptom, um eine bestehende Herzmuskelentzündung zu erkennen – zudem verspüren Betroffene nicht selten bei einer bestehenden Myokarditis gar keine Beschwerden. Da eine Herzmuskelentzündung häufig aus einer bestehenden Infektion hervorgehen, werden die ersten Anzeichen oft mit dieser in Verbindung gebracht und nicht auf das Herz bezogen. Ein Indiz für eine Myokarditis ist, wenn nach dem Abklingen der Infektionssymptome (beispielsweise Fieber, Schwindel, Muskelschmerzen, Durchfall) folgende Beschwerden anhalten oder neu auftreten:

  • Atemnot bei Anstrengung
  • Herzrasen, Herzstolpern und Rhythmusstörungen
  • Herzschmerzen
  • unerklärliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • körperliche Schwäche

 

Treten diese Symptome nach einer infektiösen Erkrankung, beispielsweise einer Grippe auf, sollten diese ernst genommen werden. Für die Klärung des Myokarditis-Verdachts sollte ein ärztlicher Rat hinzugezogen werden. Mithilfe von umfassenden Untersuchungen (EGK, Röntgenbilder, Echokardiographie, Kardio-MRT und Blutuntersuchungen) können Ärzt*innen eine Herzmuskelentzündung erkennen.

Was tun bei einer bestehenden Myokarditis?

Der Behandlungsplan für eine Herzmuskelentzündung hängt von der Schwere und dem Verlauf ab: Patient*innen mit einem unkomplizierten Verlauf sollen ihren Körper zwar weiterhin gut beobachten – eine spezielle Therapie ist jedoch häufig nicht notwendig und die Erkrankung heilt nach einiger Zeit von allein ab. Patient*innen mit merklichen Symptomen wird eine körperliche Schonung von etwa sechs Monaten geraten. Intensiver Sport sollte erst nach dem Go eine*r Kardiolog*in wieder aufgenommen werden. Neben der körperlichen Ruhe wird eine akute Myokarditis meist medikamentös behandelt, um die Pumpfunktion des Herzmuskels zu stabilisieren sowie die Entzündungsprozesse im Körper zu bekämpfen, beziehungsweise aufzuhalten.

70 % der Myokarditis-Patient*innen tragen nach ihrer Erkrankung keine Folgeschäden. Bei einigen Betroffenen bleiben leichte Beschwerden durch eine Vernarbung im Herzmuskel sowie leichte Rhythmusstörungen zurück. Für Herzinsuffizienz-Patient*innen kann eine Myokarditis allerdings schwerwiegendere Folgen haben: Schätzungsweise 15 % entwickeln chronische Verläufe, die in seltenen Fällen zu einer fortschreitenden und irreversiblen Herzinsuffizienz führen können.

Myokarditis und Covid-19-Impfungen: Geringe Inzidenz und milder Verlauf

In den letzten Monaten ist die Myokarditis häufig in den Zusammenhang mit der Impfung gegen das Corona Virus gebracht worden, denn – auch wenn es nur selten vorkommt – entwickeln manche Jugendliche und junge Erwachsene nach einer COVID-19-Impfung mit einem mRNA-Vakzin diese Erkrankung. Neueste Analysen zu diesem Zusammenhang stammen aus einer israelischen Studie, die auf dem Datensatz von 2,5 Millionen Personen basiert, die im Rahmen der israelischen Impfkampagne mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen COVID-19 geimpft worden sind. Dabei traten 54 Myokarditiden in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auf. Die Gesamtinzidenz beträgt damit etwa 2 Fälle pro 100.000 Personen. Häufig waren junge Männer im Alter zwischen 16 bis 29 betroffen und die Myokarditis trat etwa drei bis vier Tage nach der zweiten Impfdosis auf. Die Datenauswertung zeigte außerdem, dass der Verlauf meist mild war – nämlich bei 76 % der 54 aufgetretenen Fälle. Weitere 22 % der Gesamtfälle wurden vom Forschungsteam als mittelstark eingestuft. Nur ein Patient hatte einen schweren Verlauf der Myokarditis und erlitt einen kardiologischen Schock – dies entspricht einem Fall bei 2,5 Millionen geimpfter Personen. Eine weitere, in den USA durchgeführte Studie kommt zu vergleichbaren Ergebnissen.

Aktuelle Studie zeigt: Myokarditis-Risiko ist bei COVID-19-Infektion höher

Eine aktuelle Studie hat nun bestätigt, dass das Risiko für Erwachsene, eine Myokarditis zu erleiden, nach einer Infektion mit COVID-19 deutlich höher ist als nach einer Impfung gegen das Virus. Die Höhe des Risikos hängt dabei vom Alter der Personen und dem verwendeten Impfstoff ab. Dies ist keine ganz neue Erkenntnis, allerdings sind diese bestätigenden Daten in Zeiten der Unsicherheit und niedriger Impfquoten wichtiger denn je.

Die Forschenden der Universität Oxford haben alle Datensätze von Personen ab 16 Jahren oder älter, die zwischen dem 1. Dezember 2020 und 24. August 2021 in England gegen COVID-19 geimpft worden sind, ausgewertet – insgesamt von 38 Millionen Menschen. Diese brachten sie mit den in dieser Zeit aufgetretenen Fällen von Myokarditiden, Perikarditiden und Herzrhythmusstörungen in Verbindung. Danach suchten sie innerhalb dieser Daten alle Corona-positiv getesteten Personen heraus, sowohl vor also auch nach der Impfung und werteten die Daten im Hinblick auf alle drei Herzerkrankungen aus. Bei der Auswertung der Daten stellten die Forscher*innen fest, dass sowohl eine Impfung als auch ein positiver Corona-Test mit einem erhöhten Myokarditis-Risiko in Verbindung stehen – die jeweilige Ausprägung des Risikos unterschied sich allerdings deutlich.

Das Myokarditis-Risiko in Zahlen

In der Auswertung der Daten setzten die Forschenden die absoluten Risiken in Bezug zueinander: Demnach kommt es bei 1 Millionen Impfungen schätzungsweise zu 1 bis 6 zusätzlicher Myokarditis-Fälle in den kommenden 28 Tagen nach der Impfung. Bei der Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff ist mit 10 weiteren Fällen – also mit rund 11 bis 16 ­– pro 1 Millionen Impfungen zu rechnen. Im Falle einer Infektion mit dem Corona-Virus fallen die Zahlen hingegen deutlich höher aus: Hier kommt es zu 51-56 Myokarditis-Fällen pro 1 Millionen infizierter Personen. Das Risikohängt jedoch vom Alter ab: So zeigt eine weitere Analyse, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Myokarditis nach der mRNA-Impfung zu erleiden, nur bei unter 40-jährigen Personen erhöht ist – nicht aber bei älteren.

Impfen schützt!

Auch in dieser Studie weisen die Wissenschaftler*innen darauf hin, dass Myokarditiden, die mit der Impfung in Verbindung gebracht wurden, in den meisten Fällen milde verliefen und ohne Therapie von selbst verheilten – eine Entwicklung, die bei einer Infektion mit COVID-19 nicht immer garantiert werden kann. Die Impfung schützt wirksam vor einer Infektion sowie vor einem schweren Verlauf der Erkrankung und sollte daher unbedingt in Anspruch genommen werden – vor allem als Herzpatient*in (Risikogruppe).

Myokarditiden können nach einer Impfung auftreten – jedoch nur in bestimmten Altersgruppen und mit einer geringen Wahrscheinlichkeit. Dem gegenüber ist die Wahrscheinlichkeit, eine Herzmuskelentzündung aufgrund einer Corona-Infektion zu erleiden, weitaus höher – neben weit schwerwiegenderen Folgen. Deshalb sollten Patient*innen und Ärzt*innen wachsam sein und auf die entsprechenden Symptome achten. Nichtsdestotrotz ist zu betonen, dass der Nutzen der Impfung die Risiken bei weitem überwiegt: Herzmuskelentzündungen sind gut behandelbar und häufig schnell verheilt – COVID-19 hingegen kann weitaus drastischere und langwierigere Folgen mit sich bringen, sodass ein Schutz davor unabdingbar ist.

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