Ich hätte eigentlich gar nicht mehr so fit herumlaufen dürfen.

Rupert Stadler (50) aus Erding

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Schon als ich Anfang 20 war, hat mein Hausarzt mich zum Kardiologen geschickt, weil er beim Abhören ein Herzgeräusch bei mir entdeckt hatte. Der Kardiologe hat später bestätigt, dass die Aortenklappe nicht richtig schließt. Es war aber noch kein problematischer Zustand, er sagte sogar, der Hausarzt müsse aber wirklich ein gutes Gehör haben, um das überhaupt zu hören. Er hat mich aber schon darauf vorbereitet, dass das wohl irgendwann operiert werden muss. Er sagte aber auch: „Herr Stadler, machen Sie sich keine Sorgen, bis Sie operiert werden müssen, gibt es neue Techniken.“ Mich hat das Ganze auch nicht weiter beeinträchtigt, ich musste halt nur alle paar Jahre zum Kardiologen, um die Herzklappe kontrollieren zu lassen. Über die Jahre hinweg hat sich der Zustand der Herzklappe immer weiter verschlechtert, und die Zeitabstände meiner Besuche beim Kardiologen wurden immer kürzer: Ab 2017 war ich halbjährlich dort, zum Schluss dann sogar vierteljährlich. Im November 2019 war es dann so weit: Der Kardiologe teilte mir bei einer Untersuchung mit, dass ich nun um eine Operation wirklich nicht mehr herumkomme. Er sagte: „So, das müssen wir jetzt angehen, weil niemand sagen kann, wie lange das noch gut geht.“ Der Herzmuskel hatte schon begonnen, dicker zu werden und auch die Aorta war bereits gedehnt. Interessanterweise hatte ich kaum Symptome, nur bei körperlicher Belastung war ich schnell außer Atem oder mir wurde schwindelig. Da ich aber nicht unbedingt der sportliche Typ bin und mehr Musik als Sport mache, hat mich das im Alltag kaum beeinträchtigt. Aber wenn schon mal was zu tun war, bin ich natürlich ganz schnell außer Atem gekommen.

Auch wenn ich mir nicht so viele Sorgen um Corona und um mich als Risikopatient gemacht habe, war es schon ein ungutes Gefühl, so lange warten zu müssen.

Rupert Stadler

Bei den Vorsorgeuntersuchungen für die OP in den Kliniken wurden mir die Optionen erklärt und empfohlen, eine mechanische Herzklappe einzusetzen. Ich wusste aber schon, dass ich dann zum einen Blutverdünner nehmen müsste und man zum anderen die Klappe hören kann, wenn es leise ist. Das waren für mich zwei Ausschlusskriterien. Das wollte ich einfach nicht. Ich hatte schon von biologischen Herzklappen gehört und habe deswegen noch einmal eine andere Meinung eingeholt. Das Problem war aber, dass ich zu diesem Zeitpunkt wegen Corona schon in keine Klinik mehr reingekommen bin. Es konnten da schon nur noch Notfälle operiert werden bei mir stand einer der sogenannten „planbaren Eingriffe“ an, die verschoben werden mussten. Bis Juni/Juli musste ich letztlich warten. Im September wurde ich letztlich in Großhadern operiert. Auch wenn ich mir nicht so viele Sorgen um Corona und um mich als Risikopatient gemacht habe, war es schon ein ungutes Gefühl, so lange warten zu müssen. Der Operateur hat meiner Frau direkt nach der OP gesagt, dass meine Herzklappe schon so degeneriert war, dass man sie kaum noch als solche erkennen konnte. Ich hätte eigentlich gar nicht mehr so fit herumlaufen dürfen. Im Nachgang hätte das auch schiefgehen können. Wenn eine Herzklappe derart degeneriert ist, kann das auch mal blöd laufen, vorsichtig ausgedrückt.

Die Aorta und auch der Herzmuskel haben sich inzwischen auch wieder auf die normale Größe zurückentwickelt, und das schon nach einem halben Jahr. Wahrscheinlich haben wir genau den richtigen Zeitpunkt mit der OP getroffen, bevor sich Spätfolgen entwickelt haben. Und als ich diesen Winter Schnee schippen musste… Früher musste ich ständig Pause machen, aber diesen Winter ging das einfach ruckzuck durch. Schwindelig wird mir nicht mehr und auch außer Atem komme ich nicht mehr so schnell. An der hat sich meine Lebensqualität schon deutlich verbessert. Es ist auch ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass jetzt alles repariert ist und ich die nächsten 20 Jahre Ruhe hab, wenn ich halbwegs auf mich aufpasse.

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