Herzrhythmusstörung durch Alkohol: Das Risiko im täglichen Glas Wein

Die Tatsache, dass übermäßiger Alkoholkonsum nicht gut für die Gesundheit ist, ist wohl für die wenigsten eine Überraschung. Aber ein Glas Rotwein am Abend soll doch sogar gut für das Herz sein – oder? Bis heute sind vor allem die Folgen von genau diesem mäßigen Alkoholkonsum sehr umstritten. Neue Studien bringen nun neue Erkenntnisse: Bereits geringe Mengen Alkohol erhöhen das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

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Woher kommen die Aussagen über die positiven Effekte?

1992 entdeckten französische Wissenschaftler das sogenannte französische Paradox: Die Forscher stellten fest, dass Franzosen, die fettreich und süß aßen, trotz dieser ungesunden Ernährung seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Forscher schlossen als Ursache dafür auf die Rotwein-Vorliebe der Franzosen. Seitdem verbreitet sich die Annahme, dass geringer Alkoholkonsum durchaus gesundheitsförderlich sei. Und tatsächlich ist die Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Einige Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig moderate Mengen Alkohol trinken, tatsächlich ein geringeres Herzschwäche- und Herzinfarktrisiko hätten. Allerdings gilt diese Erkenntnis nicht automatisch für Vorhofflimmern.

Welche Folgen hat exzessiver Alkoholkonsum?

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts ist Wissenschaftlern eins klar: Wer regelmäßig und viel Alkohol trinkt, tut seiner Herzgesundheit nichts Gutes. Schon damals wurden Menschen Krankheiten, wie das stark vergrößerte und geschwächte „Münchener Bierherz“, als Langzeitfolge des viel zu häufigen Biertrinkens diagnostiziert.

Das Risiko für Vorhofflimmern – also eine Herzrhythmusstörung – steigt heute vor allem nach durchzechten Nächten stark an. Schon ein oder zwei Tage nach dem Konsum, wenn der lästige Kater danach längst verschwunden ist, kann es zu erheblichen Folgen kommen: dem Holiday-Heart-Syndrom. Besonders schlimm trifft es jene, die bereits unter Vorhofflimmern leiden. Denn regelmäßiges Trinken von Alkohol feuert die Erkrankung enorm an. Neue Studien zeigen nun aber, dass nicht erst bei hohem Alkoholkonsum das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt.   

Was passiert, wenn ich täglich ein wenig trinke?

Regelmäßiger Alkoholkonsum, selbst in geringen Mengen, steigert das Risiko für Vorhofflimmern – selbst bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen. Das hat eine Studie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Hamburg gezeigt. Wer bisher sein tägliches Gläschen Wein genossen hat und glaubte, sich damit etwas Gutes zu tun, muss ab sofort neuen Tatsachen ins Auge blicken: Bereits geringe Mengen (circa 120 ml Wein oder 330 ml Bier pro Tag) reichen aus, um im schlimmsten Fall ein gefährliches Vorhofflimmern auszulösen. Das Universitäre Herz- und Gefäßzentrum Hamburgs analysierte über einen Zeitraum von rund 14 Jahren die Daten von rund 100.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 47,8 Jahren, die nie zuvor unter Vorhofflimmern litten. Alle Teilnehmer tranken täglich im Schnitt drei Gramm Alkohol. Wie wenig das ist, zeigen diese Beispiele: Ein kleines Bier von circa 300 ml enthält bereits circa 10 g Alkohol, ebenso ein Glas Wein mit circa 100 ml. Das Ergebnis: Die Personen mit mäßigem Alkoholkonsum hatten im Vergleich zu abstinenten Menschen ein 16 Prozent höheres Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken. Rund 6000 der Studienteilnehmer*innen erlitten in dieser Zeit erstmalig Vorhofflimmern. Bei mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer*innen sind zudem Werte gemessen worden, die als Hinweis für Herzschwäche gelten. Es gibt also einen eindeutigen Zusammenhang zwischen geringem Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern. Auch eine Studie der Universität Kalifornien in San Francisco zeigte, dass schon ein Glas Bier, Wein oder anderes alkoholisches Getränk das Risiko verdoppelt, innerhalb der folgenden vier Stunden an Vorhofflimmern zu leiden. Die Forscher stellten außerdem fest, dass 0,1% Alkohol im Blut innerhalb von zwölf Stunden ein etwa 40% höheres Risiko für Vorhofflimmern bedeutet. Dabei dürfen weitere Faktoren wie Geschlecht, Genetik oder Umwelteinflüsse nicht außer Acht gelassen werden. Auch wird Alkohol häufig mit salzhaltigen Lebensmitteln kombiniert, oder getrunken, weil Menschen sich gestresst fühlen. Dennoch gilt laut aktuellem Wissensstand: Je mehr Alkohol, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern.

Fazit: Wie viel Alkohol ist akzeptabel?

Also was nun? Alkohol, ja oder nein? Überwiegen die positiven oder die negativen Einflüsse? Die richtige Antwort lautet: Balance.

  • Menschen, die bereits unter Vorhofflimmern leiden, sollten den Alkoholkonsum im besten Fall komplett einstellen oder zumindest stark reduzieren.
  • Wer moderat und nur gelegentlich ein Glas Alkohol trinkt, muss sich in der Regel nicht zwangsläufig vor Vorhofflimmern fürchten, sondern darf sich überwiegend über die vermutlich positiven Effekte auf das Herzinfarkt- und Herzinsuffizienz-Risiko freuen.
  • Wer regelmäßig trinkt erhöht sein Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln, deutlich. Das gilt auch für Menschen, die noch nie unter Vorhofflimmern gelitten haben.
  • Wer gar keinen Alkohol trinkt, weil es vielleicht einfach nicht schmeckt, sollte wegen eventueller gesundheitlicher Vorteile keinesfalls damit anfangen. Es gibt keine ärztliche Empfehlung für Alkoholkonsum!

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