Wiederbelebung: Auch in Zeiten von COVID-19 muss sofort gehandelt werden

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 65.000 Menschen infolge eines plötzlichen Herzstillstandes, dem plötzlichen Herztod. Über 49.000 sterben an einem Herzinfarkt. Diese Herznotfälle treffen Betroffene meist völlig unerwartet: Zuhause, bei der Arbeit oder auch beim Sport. In solchen Situationen entscheiden oft Minuten über Leben oder Tod eines Menschen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Personen, die einen Notfall beobachten, sofort eingreifen und handeln – auch in Zeiten von Corona. Aber wie funktioniert Wiederbeleben während Corona?

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Keine Angst vor der Ersten Hilfe

Eine Erste-Hilfe-Situation kann beängstigend sein, das ist völlig normal: Man möchte nichts falsch machen, dem Betroffenen noch mehr schaden oder man vergisst im Eifer des Gefechts schlichtweg die lebensrettenden Maßnahmen. Allerdings gilt bei einem Herzstillstand vor allem eins: Egal, wie groß die Unsicherheit ist – der größte Fehler ist, gar nicht erst zu helfen! Der enge Körperkontakt einer Wiederbelebung, vor allem bei der Atemspende, schreckt in Zeiten einer hoch ansteckenden Pandemie viele Menschen noch mehr ab. Expert*innen befürchten, dass viele aus Angst vor einer Infektion die lebensrettenden Maßnahmen unterlassen könnten. Die Lösung: die angepassten Erste-Hilfe-Maßnahmen des „International Liaison Committee on Resuscitation“ (ILCOR), die das Ansteckungsrisiko senken. Ersthelferinnen und Ersthelfer sollten demnach einige Hygienemaßnahmen beachten, um sich vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

Ersthelfer in der Pandemie

Bei einer Reanimation – der Wiederbelebung – werden sogenannte Aerosole (z.B. Tröpfchen des Speichels) aus den Atemwegen des Betroffenen freigesetzt – ein großes Risiko für Helfer*innen. Daher sollte auf die direkte Mund-zu-Mund-Beatmung bei Erwachsenen komplett verzichtet werden. Allerdings ist eine Herzdruckmassage als lebensrettende Maßnahme dennoch unerlässlich, um den Blutfluss aufrecht zu erhalten, bis der Rettungswagen eintrifft. Um die Atmung der betroffenen Person zu überprüfen, wird zurzeit empfohlen, sich nicht dem Gesicht zu nähern, sondern lediglich die Bewegungen des Brustkorbes zu beobachten. Zudem sollte der Nacken der betroffenen Person überstreckt werden und das Kinn angehoben werden, um die Atmung zu erleichtern. Zum Eigenschutz können Mund und Nase des Betroffenen zusätzlich mit einem luftdurchlässigen Tuch (z.B. Taschentuch) bedeckt werden.

Dabei gibt es allerdings eine Ausnahme: Kinder. Bei ihnen ist oft eine Atemstörung die Ursache für den Herz-Kreislauf-Stillstand. Demnach erhöht eine Atemspende ihre Überlebenschancen, anders als bei Erwachsenen, um ein Vielfaches und sollte bei fehlender Atmung immer durchgeführt werden, auch wenn dies ein Infektionsrisiko für den Ersthelfer darstellt.

Prüfen – Rufen - Drücken

Als Zeug*in des Zusammenbruchs eines anderen Menschen ist jede*r laut Paragraf 323 c des Strafgesetzbuchs dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten – auch in Zeiten von Corona. Oft ist die Situation für viele Menschen ohnehin schon sehr belastend – dazu kommt noch die Sorge vor einer möglichen Ansteckung. Als Gedankenstütze während dieser Stressphase dient die PRD-Regel: Prüfen, Rufen, Drücken. Mithilfe dieser Regel sind alle Beteiligten geschützt: Die lebensrettenden Maßnahmen sind gewährleistet und der/die Erst-Helfer*in ist vor Infektionen geschützt.

Quelle: „Ein Leben retten“ des „Berufsverband Deutscher Anästhesisten“ (BDA) und der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI)
Schritt 1: Prüfen
  • Sprechen Sie die betroffene Person mit lauter Stimme an und prüfen Sie so die Ansprechbarkeit.
  • Überprüfen Sie, ob eine normale Atmung vorliegt. Beobachten Sie mögliche Bewegungen des Brustkorbs als Anzeichen einer Atmung.
  • Verzichten Sie bei einer unklaren Infektionslage auf das Hören und Fühlen der Atmung an der bewusstlosen Person.
  • Wenn die Person nicht reagiert oder gar atmet: Rufen.
Schritt 2: Rufen
  • Wählen Sie sofort die Notrufnummer 112.
  • Nutzen Sie die Lautsprecherfunktion Ihres Mobiltelefons, um den Anweisungen der Leitstelle zu folgen.
  • Legen Sie erst dann auf, wenn die Person aus der Leitstelle keine weiteren Fragen mehr hat.
  • Bei Verdacht auf eine COVID-19-Infektion, geben Sie diesen beim Notruf an.
Schritt 3: Drücken
  • Beginnen Sie nun sofort mit der Wiederbelebung, also der Herzdruckmassage und lassen Sie keine Zeit verstreichen.
  • Decken Sie den Mund und die Nase der bewusstlosen Person beispielsweise mit einem Taschentuch ab.
  • Legen Sie Ihre Hände übereinander und mit den Handballen nach unten auf die Mitte des Brustkorbs der hilfsbedürftigen Person. Die richtige Position befindet sich in Höhe der Brustwarzen. Der Oberkörper sollte nach Möglichkeit frei sein.
  • Drücken Sie mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Mal pro Minute sehr fest auf den Brustkorb, am besten 5 bis 6 Zentimeter tief. Halten Sie dabei die Arme gestreckt, um kräftigen Druck ausüben zu können.
  • Machen Sie so lange weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt.

Wichtig ist, dass Sie die betroffene Person nicht verlassen, ehe der Rettungswagen eintrifft. Sollten mehrere Erst-Helfer*innen vor Ort sein, dann lassen Sie sich einen AED, also einen Defibrillator bringen – sofern vorhanden. AED sind an den meisten öffentlichen Gebäuden, wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Stadien verfügbar und sind im Eingangsbereich von Gebäuden, sowie bei Portier- oder Informationsschaltern platziert. Hier gilt: Keine Sorge bei der Benutzung. Ein Defibrillator ist nicht nur zum Schocken da. Das Gerät gibt automatisch genaue Anweisungen zur Wiederbelebung und kann daher eine große Erleichterung sein.

#ichrettedeinleben

Warum auch Kinder Leben retten sollten

Viele Menschen haben ihre ersten Berührungspunkte mit allgemeinen Erste-Hilfe-Maßnahmen und Wiederbelebung erst mit dem verpflichtenden Besuch eines Kurses zur Erlangung des Führerscheins. Sicherlich ist dieser späte Einstieg – meist mit 17 oder 18 Jahren – einer der Gründe für Berührungsängste und fehlendes Wissen in jüngeren Jahren.

Aus diesem Grund unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie die Aktion des Deutschen Rats für Wiederbelebung: den verpflichtenden Unterricht in Wiederbelebung spätestens ab der 7. Klasse. Denn umso mehr Menschen helfen können, desto mehr Betroffene können gerettet werden. An der Zahl bedeutet das, dass jedes Jahr mindestens 10.000 Menschleben mehr gerettet werden könnten. Andere europäische Länder, wie Dänemark, machen es bereits vor und schreiben Wiederbelebungs-Unterricht gesetzlich vor. Schon seit 2015 wird von der WHO auch in Deutschland ein solcher Unterricht empfohlen. Die Petition #ichrettedeinleben treibt dieses wichtige Thema nun voran und hilft so Menschenleben zu retten.

Geben Sie der Petition hier Ihre Stimme!

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